TheorieForschung

Kapuzenpulli meets Nadelstreifen

Die Kinder- und Jugendarbeit im Fokus von Wissenschaft und Wirtschaft

  • Umfang: 189 Seiten
  • Autor*in: Buschmann, Mirja
  • Herausgeber*in: Arbeitskreis G5, c/o Landesjugendring NRW e. V.
  • Mitarbeit: Sass, Erich
  • Buch (Monographie)
  • 2010

Abstract

Das Forschungsprojekt „Das Wissen zum Arbeitsfeld der Kinder- und Jugendarbeit: Was wissen Arbeitgeber und was liefert die Forschung?“ wurde von Spitzenverbänden der Jugendarbeit in Nordrhein-Westfalen in Auftrag gegeben und zwischen 2008 und 2010 vom Forschungsverbund Deutsches Jugendinstitut/Technische Universität Dortmund durchgeführt. Die in dieser Publikation vorgelegten Studienergebnisse zum Wissen über die Kinder- und Jugendarbeit aus der Forschung und aus Arbeitgebersicht teilt sich in zwei Bereiche auf. Im ersten Teil wird der sekundäranalytischen Auswertung von 89 Studien zur Jugendarbeit aus den Jahren 1998 bis 2008 nachgegangen. Hiermit wird eine systematisch angelegte, vergleichende Übersicht, Zusammenfassung und Auswertung relevanter empirischer Studien zur Kinder- und Jugendarbeit bis zum Erscheinungsjahr 2010 vorgelegt. Im zweiten Teil des Bandes werden die Befunde einer empirischen Studie zum Wissen der Personalverantwortlichen in Wirtschaftsunternehmen über die Jugendarbeit vorgestellt. Die zentrale Fragestellung hierbei lautete: „Was wissen Verantwortliche in Wirtschaftsunternehmen über die Jugendarbeit als ein Feld außerschulischen Kompetenzerwerbs und welche Rolle spielen in der Jugendarbeit erworbene Kompetenzen im Bewerbungsverfahren?“
Die Studie bietet zum einen einen beeindruckenden Überblick zur Forschung im Bereich der Jugendarbeit und eine Metaanalyse zur Forschung allgemein mit weitergehenden Überlegungen, in welchen Bereichen und Zusammenhängen es an Forschung fehlt. Erster Teil: Die Jugendarbeit im Fokus der Wissenschaft. Nach einem kurzen Exkurs zur amtlichen Statisik und insbesondere ihrer fachlichen Auswertung durch die „Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik“ an der TU Dortmund und einer recht nützlichen Bestandsaufnahme von Hindernissen in der empirischen Forschung des komplexen, in sich vielfältig differenzierten Arbeitsfeldes der Kinder- und Jugendarbeit, wendet sich die Verfasserin der sekundäranalytischen Auswertung von 89 Studien zu. Dabei werden sieben Handlungsfelder für die Analyse fokussiert: 1. Jugendgruppenarbeit (in Verbänden), 2. Offene Angebote der Jugendarbeit (in Einrichtungen), 3. Mobile Jugendarbeit/Streetwork, 4. Jugenderholung, 5. (Internationale) Jugendbegegnung, 6. Außerschulische Jugendbildung/Mitarbeiterfortbildung und 7. Kulturelle Jugend(bildungs)arbeit. Zu der Sekundäranalyse in diesen Handlungsfeldern wird im Spiegel der Studien hinzugefügt eine Analyse nach handlungsleitenden Paradigmen der Jugendarbeit: Partizipation, Bildung, Integration und Gender Mainstreaming. Die Sekundäranalyse bezieht sich nicht nur auf die Inhalte, sondern gleichzeitig werden die Studiendesigns je nach Handlungsfeld - quantitativ, qualitativ, in Triangulation, ethnografischer Schwerpunkt etc. - sichtbar, und, welche Handlungsfelder in Bezug auf bestimmte Themen oder generell zu wenig erforscht sind. Zentrale Forschungsthemen, die in der gesamten künftigen Forschung zur Jugendarbeit berücksichtigt werden sollten, sind demnach: eine stärkere Theorieanknüpfung empirischer Forschung und generell Theorieentwicklung, welche Not tut angesichts ihrer disziplinären Vernachlässigung; die Weiterentwicklung der Untersuchungsinstrumente und eine verstärkt subjektorientierte Forschung, da Strukturdaten allein für eine empirische Beschreibung der Jugendarbeit nicht ausreichen.
Die Ergebnisse der Analyse bedeuten für die Praxis erst einmal eine Bestätigung ihrer bisherigen Arbeit und eine Ermutigung, sie weiter fortzuführen. Empfehlungen an die pädagogische Praxis sind: Jugendlichen einen besseren Zugang zu den Verbänden und den offenen Einrichtungen zu ermöglichen, insbesondere Jugendliche aus gesellschaftlichen Milieus zu erreichen, die bislang die jeweiligen Angebote nur in begrenztem Maße genutzt haben und die Bedürfnisse von Ehrenamtlichen verstärkt erkennen, anerkennen und honorieren. Empfehlungen an die Politik sind: Die Jugendarbeit stärker in den Fokus rücken. In den politischen Positionen und Konzepten sowohl auf Kommunal- als auch auf Landes- und Bundesebene muss Jugendarbeit als Themenfeld verstärkt vorkommen, um ihrer Bedeutung gerecht zu werden. Anstatt Projekten sollten Strukturen verstärkt gefördert werden, damit Nachhaltigkeit entstehen kann. „Dabei müssen alle Akteure [aus Praxis, Wissenschaft und Politik; d.A.] intensiv miteinander kooperieren und gemeinsam die gesellschaftliche Akzeptanz für die Jugendarbeit im Allgemeinen sowie die Forschung zur Jugendarbeit im Besonderen erhöhen.“ (S.83)
Im zweiten Teil zielt eine empirische Studie darauf ab, anhand quantitativer und qualitativer Daten Wissensbestände aus der Wirtschaft zu untersuchen. Die zentrale Fragestellung lautet: „Was wissen Verantwortliche (vor allem Personalverantwortliche) in Wirtschaftsunternehmen über die Jugendarbeit als ein Feld außerschulischen Kompetenzerwerbs und welche Rolle spielen in der Jugendarbeit erworbene Kompetenzen im Bewerbungsverfahren?“ (S.101)
Die vorrangige Form der Vernetzung zwischen Jugendarbeit und Wirtschaft besteht in den letzten Jahren überwiegend in Corporate Citizenship-Projekten, am häufigsten in Form des Social Sponsorings, womit dem Unternehmen neue Kommunikationskanäle und der Jugendarbeit neue Finanzierungswege eröffnet werden sollen. Neben dieser direkten finanziellen Unterstützung bietet das Corporate Volunteering (CV) eine alternative Möglichkeit für eine Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und der Jugendarbeit. Parallel zum Bedeutungsgewinn der Soft Skills im Arbeitsleben ist die Jugendarbeit als Lernort dieser Kompetenzen zunehmend ins Blickfeld geraten. Gleichzeitig haben Wirtschaftsunternehmen zumindest den Stellenwert freiwilligen Engagements für den Kompetenzerwerb erkannt. Befunde liefern erste Hinweise darauf, dass Akteure der Wirtschaft sowohl ehrenamtlichem Engagement insgesamt als auch Nachweisen über dieses Engagement grundsätzlich positiv gegenüberstehen. Die Befragten sehen aus ihrer Perspektive die Funktion der Jugendarbeit vorrangig in der Kompetenzvermittlung. Die detaillierten Ergebnisse können hier aufgrund ihres Umfangs nicht dargestellt werden, jedoch soll auf die Empfehlungen für die Pädagogik und Wirtschaft eingegangen werden:

  • Jugendarbeit und Wirtschaft sollten konkret auf der Grundlage der auch im Rahmen dieser Untersuchung herausgearbeiteten Erkenntnisse auf unterschiedlichen Ebenen nicht nur sporadisch, sondern regelmäßig und strukturiert in einen Dialog treten;
  • Es sollte ein Austausch geführt werden, wie Nachweise informell erworbener Kompetenzen stärker berücksichtigt werden können;
  • Klärungsbedarf scheint auch dahingehend zu bestehen, welche Inhalte und welche Form Kompetenznachweise aus Sicht der Personalverantwortlichen bei den Arbeit gebern haben sollten.

Abschließend werden von den Autor*innen weitergehende Forschungsfagen begründet.

Url

Kurz-Link zu dieser Seite: https://www.oja-wissen.info/2637