Theorie

Partizipation

Erschienen in: Martin Allespach, Josef Held (Hg.) - Handbuch Subjektwissenschaft. Ein emanzipatorischer Ansatz in Forschung und Praxis

  • Umfang: 13 Seiten
  • Autor*innen: Bröse, Johanna; Held, Josef
  • S. S. 136–149
  • Bund-Verlag, Frankfurt, 2014
Der Sammelband ist kostenpflichtig beim Verlag erhältlich.

Abstract

In diesem kritischen Beitrag fokussieren die Autor*innen Johanna Bröse und Josef Held in subjekttheoretischer Perspektive das Thema Partizipation und gehen insbesondere der Frage nach, welche Rolle Partizipation bezüglich Pädagogik, Politik und Gesellschaft einnimmt.

Partizipation kann als generelle Entwicklungsaufgabe im Jugendalter angesehen werden: Die Handlungsfähigkeit des Menschen und seine Subjektivität verwirklicht sich nur durch gesellschaftlicher Teilhabe. Unter dem Begriff Partizipation werden – als pädagogisches Prinzip bis hin zu unterschiedlichen Formen der Beteiligung – sehr unterschiedliche Handlungen und Sichtweisen verstanden. In diesem Beitrag wird Partizipation in demokratietheoretischer Perspektive, als pädagogische und bildungstheoretische Begründung und in ihrer dienstleistungstheoretischen Verwendung betrachtet. Auch in Partizipationsverhältnissen finden sich Machtverhältnisse, was oftmals mit politisch oder pädagogisch gewollten Zielen des jeweiligen partizipativen Vorhabens einhergeht, welche jedoch nicht denjenigen der Adressat*innen entsprechen müssen. Eine Vorgabe von Zwecken und Zielen in der Partizipation ist eine paradoxe Unmöglichkeit. Damit laufen Partizipationsvorhaben gegebenenfalls Gefahr, die Pädagogisierung von politischen Problemen zu betreiben und damit Probleme in einen Bereich zu verlagern, in dem sie nicht gelöst werden können. Ebenso besteht die Gefahr, ökonomische Grundlagen von Ungleichheit auszublenden und zur unhinterfragten Stabilisierung gesellschaftlicher Verhältnisse beizutragen. „Denn Partizipation hat in der kapitalistischen Gesellschaft auch eine Ordnungsfunktion, wobei diese nicht explizit gemacht, sondern verschleiert wird.“ (S.140) Die Autor*innen schlagen vor, zur besseren Differenzierung zwischen primär sozialen und primär politischen Partizipationsmöglichkeiten zu unterscheiden.
Anhand Ergebnissen von Studien und weiteren Forschungserkenntnissen wird Partizipation in Bezug gesetzt zu Integration und Ausgrenzung. Integration ist eine wichtige Voraussetzung für politische Partizipation. Integration und Ausgrenzung können gleichzeitig auch Resultat oder Ziel politischer Partizipation sein. Partizipation ist immer politisch, die Gestaltung des Sozialen und auch schon die Teilnahme an der Gesellschaft enthalten einen politischen Kern. Für eine „gelingende Integration“ sollten in subjekttheoretischer Perspektive gleiche Möglichkeiten der sozialen und politischen Partizipation bestehen. Schon alleine diese Position versetzt Partizipations- und Integrationsprojekte angesichts den diesbezüglichen Herausforderungen in die Rolle politischer Akteure.

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