Theorie

Bildungsaufgaben der Kinder- und Jugendarbeit auf der Grundlage jugendlicher Entwicklungsaufgaben

  • Umfang: 18 Seiten
  • Autor*in: Hornstein, Walter
  • Erschienen in: Sturzenhecker, Lindner (Hg.) 2004 – Bildung in der Kinder- und Jugendarbeit. Vom Bildungsanspruch zur Bildungspraxis, S. 15–33
  • Juventa, Weinheim und München, 2004

Abstract

Walter Hornstein erläutert in dem Beitrag, „welche Chancen und Möglichkeiten für eine an den Lern- und Entwicklungsaufgaben der Heranwachsenden orientierte Bildungsarbeit in den strukturellen Bedingungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit liegen.“ (S.16) Angesichts der nach der Jahrstausenwende im Zuge der PISA-Debatte angeheizten Bildungsdiskussion spricht sich Hornstein gegen eine Verkürzung des Bildungsbegriffs zur ökonomischen Verwertung des Menschen aus. Er formuliert für ein grundlegendes Bildungsverständnis folgende Momente:

  • Bildung ist Selbstbildung in Eigenaktivität des Subjekts;
  • in Bildungsprozessen geht es immer um ein Selbst- und Weltverständnis, quasi das Selbst in der Welt;
  • Bildung zielt nicht nur auf kognitives Wissen, sondern auch auf Handlungsrelevanz, in Kenntnis der geschichtlichen Situation selbstbestimmt handeln zu können;
  • Bildung „zielt auf die vollen Möglichkeiten des Menschen“ und wendet sich gegen jegliche Instrumentalisierungen und „Verzweckungen“.

Strukturelle Momente der Offenen Kinder- und Jugendarbeit wie Freiwilligkeit der Teilnahme oder Offenheit in der partizipativen Gestaltung der Angebote gelten grundsätzlich als bildungsfördernde und bildungsermöglichende Faktoren. Sie erlauben experimentierende, neue Möglichkeiten des Lernens in Selbstbestimmung. Die Offene Kinder- und Jugendarbeit ermöglicht Lern- und Bildungsvorgänge, „die für das Erlernen des Lebens als selbstbestimmtes, als autonomes, von den eigenen Interessen bestimmtes Projekt notwendig sind, indem sie nicht zuletzt die Kompetenzen vermitteln, die für die Auseinandersetzung mit den (gesellschaftlichen) Zwängen notwendig sind.“ (S.21)
Offene Kinder- und Jugendarbeit muss hierzu „lebenslagenkundig“ sein, um die in den Lebenslagen der jungen Menschen eingelagerten Bildungsmöglichkeiten erkennen zu können. Weitere Anhaltspunkte sieht Hornstein im Konzept der Lern- und Entwicklungsaufgaben, verstanden als Bezugsrahmen, welcher sichtbar macht, was Heranwachsende zu leisten haben und welche Rolle dabei Bildung spielt. „Eine neue Form von Selbstverantwortlichkeit für das eigene Leben als das Aushalten und Bewältigen von Widersprüchlichkeiten und schließlich der Umgang mit Unsicherheiten und Risiken - das sind die Momente, welche auf einer grundsätzlichen Ebenen betrachtet die Jugendphase ausmachen.“ (S.24)
Hornstein erläutert einzelne Lernaufgaben in Bezug auf Sexualität und Geschlechterrolle, Ausbildung und Arbeit, Politik und Zivilgesellschaft, lebensaltersspezifische Differenzen von Bildungspotentialen und legt den Unterschied zwischen Kompetenzlernen und Bildungsprozessen anhand den Beispielen „ökologische Orientierung“ und „Umgang mit Konflikten“ dar. Abschließend beschreibt er Aspekte einer bildungsorientierten Ausrichtung der Profession angesichts der Notwendigkeit der fachlichen Neuorientierung.

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