TheorieForschung

Außerschulische Jugendbildung

Eine Einführung

  • Umfang: 240 Seiten
  • Autoren*innen: Wischmeier, Inka; Macha, Hildegard
  • Buch (Monographie)
  • Oldenbourg Wissenschaftsverlag GmbH, München, 2012
Die Publikation ist kostenpflichtig beim Verlag erhältlich.

Abstract

Kurzversion

Eine Publikation, deren fachlicher Charme darin besteht, außerschulische Jugendbildung in disziplinärer Hinsicht der Erziehungswissenschaft und in professioneller Hinsicht, nicht zuletzt aufgrund des gesetzlichen Auftrages, der Kinder- und Jugendarbeit zuzuordnen (Kapitel 2.1. und 4.). Außerschulische Jugendbildung und Kinder- und Jugendarbeit sind trotzdem nicht synonym zu verwenden, da Kinder- und Jugendarbeit nicht durchgängig Bildungspraxis ist. Der vorgestellte Bildungsbegriff ist allerdings für beide Arbeitsfelder deckungsgleich: „Bildung findet immer dort statt, wo Jugendliche ohne vorgegebene Inhalte Selbst- und Weltthematisierungen vornehmen [...]“ (S.12) „Außerschulische Jugendbildung [...] lässt sich nicht von Zwecken oder Zielen von außen vereinnahmen bzw. von außen an sie herantragen, sondern orientiert sich an den Themen, Aufgaben und Bedürfnissen, die von den Jugendlichen eingebracht werden.“ (S.74) Bezogen auf kulturelle Bildung: „Der Bildungsbegriff in der Kulturellen Bildung ist als subjektbezogene Selbstbildung gedacht.“ (S.108) Die Autorinnen Inka Wischmeier und Hildegard Macha geben eine Einführung und einen Überblick in die außerschulische Jugendbildung, inklusive Erläuterung von Theorien, Forschungsergebnissen, aktuellen Kontroversen, Handlungsfeldern, Methoden und einem abschließendem Serviceteil.

Zu dein einzelnen Kapiteln

Theoriedebatten als auch die Handlungsfelder der außerschulischen Jugendbildung sind von kaum überschaubarer Heterogenität gekennzeichnet. Die in ihrer Auslegung von hoher Variabilität gekennzeichneten, themenrelevanten Begriffe wie z.B. „Bildung“ oder das soziale Konstrukt „Jugend“, die Vielfältigkeit jugendlicher Lebenslagen und jugendkultureller Phänomene als auch an die Jugend herangetragene Ansprüche und Erwartungen führen nicht gerade zu einer Komplexitätsreduktion des Themas. In der Konsequenz liegt bis heute keine einheitliche Theoriebildung zu vor. Da die Autorinnen die außerschulische Jugendbildung der Jugendarbeit zuordnen, erstaunt nicht, dass sie insofern den letzten Versuch einer einheitlichen Theorie in Bezug setzen zu einer Publikation der Theoriebildung in der Jugendarbeit: „Was ist Jugendarbeit?“ von Müller, Kentler, Giesecke und Mollenhauer, publiziert im Jahr 1964.
Wischmeier und Macha sehen drei Zugänge, die eine Erhellung des Begriffs ermöglichen: der gesetzlich vorgegebene Bildungsauftrag, die (fach-)wissenschaftlichen Zugänge und drittens eine Beschreibung der Praxis.

Die Autorinnen sehen im Anschluss an den gesetzlichen Auftrag nach §11 SGB VIII die außerschulische Jugendbildung im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit verankert, wobei sie darauf hinweisen, dass in anderen Bereichen der Jugendhilfe ebenso Bildungsprozesse statt finden. Auf der Basis zwischen den grundlegenden Zielsetzungen nach §1 SGB VIII, Eigenverantwortung und Gemeinschaftsfähigkeit, in der fachlichen Auslegung verstanden als Bildung als Befähigung zur Mündigkeit und Selbstbestimmung, werden die Begriffe außerschulische Jugendbildung, Jugendarbeit und außerschulische Pädagogik in ihren Differenzen dargelegt. Dem „Begriffskomplex Jugend“ nähern sich die Autorinnen mit kurzen Darstellungen psychologischer und soziologischer Theorieansätze, der Erläuterung des Individualisierungs- und Pluralisierungstheorems und der Betrachtung der Jugendphase als Transition und Moratorium. Bildung von Identität wird ausführlich erläutert anhand verschiedener Theoriestränge, in Bezug auf Geschlecht, Körper, Familien- und Schichtzugehörigkeit und anhand gesellschaftlicher bzw. soziologischer  Implikationen, u.a. Individualisierung und Neoliberalisierung bis hin zur Debatte über Chancengleichheit: „Die geschlechtstypische Identität ebenso wie die Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe entscheiden in Deutschland immer noch wesentlich über die Bildungs- und Arbeitschancen von Jugendlichen.“ (S.33)
Im Kapitel „Rahmenbedingungen Außerschulischer Jugendbildung“ werden neben den gesetzlichen Grundlagen auch die Träger*innenkonstruktion in öffentlicher und freier Hand und finanzielle Bestimmungskontexte fokussiert. Bezüglich der Finanzierung wird konstatiert: „Insgesamt ist für die Jugendarbeit ein Trend zu beobachten, der sich in der Modellfinanzierung von Einzelprojekten manifestiert – auf Kosten der Grundlagenfinanzierung der gesamten Jugendarbeit und Jugendbildung.“ (S.44)

Das dritte Kapitel wendet sich methodischen Zugängen und ausgewählten Forschungsbefunden zu. Folgende Themenbereiche spielen dabei eine herausragende Rolle: die Frage nach günstigen oder ungünstigen Bedingungen des Aufwachsens, Peers, Jugendkulturen, Gesundheit, Migration, Geschlechtsidentität und Medien. Quantitative Zugänge und kombinierte quantitativ-qualitative Forschungsmethoden, Querschnitt- und Längsschnittstudien werden erörtert. Konkret dargestellt werden die Shell-Jugendstudie, das soziao-ökonomische Panel des DIW und der Gesundheitssurvey der WHO. „Herauszustellen und für die weiteren Themen dieses Buches wichtig ist, dass schulischer Erfolg in Deutschland weiterhin wesentlich vom sozialen Hintergrund der Jugendlichen abhängt, wie es auch schon in anderen Studien, etwa der PISA-Studie, herausgearbeitet wird. [...] Außerschulische Jugendbildung kann und will keine Defizite im schulischen Lernen kompensieren. Sie will aber Jugendliche darin unterstützen, die eigenen Lebensbedingungen zu ‚beherrschen‘ bzw. zu gestalten, auch wenn oder gerade dann, wenn sie in Institutionen schulischen Lernens zu scheitern drohen.“ (S.52) Qualitative Zugänge zur außerschulischen Jugendforschung sind gekennzeichnet durch eine Heterogenität ihrer Forschungsinhalte, welche in einem geschichtlichen Durchgang mit ihrer Entstehung in Form von z.B. Tagebücherforschung im Rahmen der Jugendbewegungen zum Wechsel vom 19. auf das 20. Jahrhundert bis hin zu einem heutigen Zugangsschwerpunkt einer ethnografischen Perspektive umrissen werden. Ebenso werden Anwendungsbereiche der einzelnen quantitativen und qualitativen Zugänge und Vor- und Nachteile von Methoden wie z.B. der teilnehmenden Beobachtung dargestellt.

Im vierten Kapitel werden theoretische Ansätze besprochen, die aus erziehungswissenschaftlicher Sicht die Bedingungen für Bildungsprozesse innerhalb der Jugendarbeit beschreiben. Dabei werden der emanzipatorische Ansatz, der Ansatz der Sozialraumorientierung, die Cliquenorientierung, der akzeptierende sowie ein kulturbezogener Ansatz dargestellt. Die Auswahl wird begründet darin, dass sie als konstituierend für eine noch auszuarbeitende einheitliche Theorie der außerschulischen Jugendbildung angesehen werden. „Das heißt, sie werden als Prinzipien betrachtet, die eine systematische Ausrichtung und Reflexion professionellen Handelns in der Außerschulischen Jugendbildung über alle Handlungsfelder leisten können.“ (S.68)
Aktuelle Kontroversen werden im fünften Kapitel anhand folgender Themen behandelt: Subjektbildung; Kompetenz; informelle, non-formale und formale Bildung; Ganztagsschule und außerschulische Jugendbildung; aktuelle Modelle der Kooperation und sozialraumorientierte Ganztagsbildung; Heterogenität, Differenz und der Kulturbegriff; Werte und zivilgesellschaftliches Engagement; Professionalisierungsprozesse in der außerschulischen Jugendbildung; demografischer Wandel und weitere zukunftsbestimmende Faktoren.

Das sechste Kapitel wendet sich den Institutionen, Organisationen, Handlungsfeldern und Methoden zu: Verbandsarbeit, Offene Kinder- und Jugendarbeit, Mobile Jugendarbeit, Politische Jugendbildung und geschlechtergerechte Jugendbildung. Die methodische Herangehensweise in der Praxis außerschulischer Jugendbildung ist sehr heterogen und unterscheidet nach Handlungsfeld, Strukturierungsgrad, Ort und Inhalt des Kontextes: „Zur Anwendung kommen sowohl Methoden aus der erziehungswissenschaftlichen Bildungsarbeit, der Sozialpädagogik, der Sozialen Arbeit als auch der Kulturarbeit. Dazu gehören beispielsweise Projektarbeit, Gruppenarbeit, Animation und Arrangieren, Beratung, Spiegeln und ästhetische Gestaltung, Paradoxe Intervention und Verfremdung, Dialogisches Verstehen etc.“ (S.191)
Der Band schließt ab mit einer Auswahl an Informationen zu Studiengängen und wichtigen Fachzeitschriften sowie Adressen zur außerschulischen Jugendbildung.

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