Theorie

Subjektorientierte Offene Kinder- und Jugendarbeit

  • Umfang: 13 Seiten
  • Autor*in: Scherr, Albert
  • Erschienen in: Deinet, Sturzenhecker (Hg.) 2013 – Handbuch Offene Kinder- und Jugendarbeit, S. 297–310
  • Springer VS, Wiesbaden, 2013
Dieser Beitrag ist gebührenpflichtig beim Verlag erhältlich.

Abstract

Jugendarbeit wird als Praxis verstanden, welche Jugendliche zu einer möglichst selbstverantwortlichen und selbstbestimmten, durchaus eigensinnigen Lebensweise befähigen soll. Jugendarbeit grenzt sich damit von einem rein funktionalen Verständnis der Ein- oder Anpassung Heranwachsender oder gar von der Zuarbeit zur Erzeugung ökonomisch verwerbarer Qualifikationen ab. Bildung wird begriffen als Subjekt-Bildung in den Dimensionen Subjekt-Werdung, Selbstachtung, Selbstbewußtsein und Selbstbestimmung. Eine pädagogische Programmatik der Subjektbildung hat vom verfügbaren Wissen darüber auszugehen, was für die Entwicklung selbstbestimmter Handlungsfähigkeit in einer von Widersprüchen gekennzeichneten Altersphase förderliche Bedingungen sind. Hierbei spielen v.a. folgende Aspekte eine Rolle:

  • Strukturen des sozialen Handelns, insbesondere wechselseitige Wertschätzung und Anerkennung;
  • soziale Beziehungen, die sich durch Verlässlichkeit und Wahrhaftigkeit auszeichnen;
  • die Erfahrung der Handlungs- und Gestaltungsfähigkeit in kooperativen Kontexen, insbesondere in egalitären, demokratischen Entscheidungsstrukturen;
  • Erfahrungen der eigenen Stärken und Fähigkeiten als Gegenerfahrungen zu gesellschaftlich zugemuteten Ohmachtserfahrungen;
  • aktive Entfaltung eigener Fähigkeiten und Interessen; reflexive Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte und Lebenssituation; - interkulturelle Bildungsprozesse;
  • Empowerment und Erarbeitung eines Wissens über grundlegende Rechte im Sinne einer Menschenrechtsbildung.

Subjektorientierte Jugendarbeit ist dialogische Praxis mit einem mäeutischen Selbstverständnis. Im Mittelpunkt steht die gemeinsame Erarbeitung einer Praxis mit Jugendlichen, ausgehend von ihren Stärken, Bedürfnissen und Interessen mit einem höchstmöglichen Maß an Partizipation und Eigenverantwortung. Jugendarbeit baut auf dialogischer Aushandlung auf und hat den Auftrag an die Jugendarbeiter*innen der politischen Einmischung und Einbringung ihrer lokalen oder regionalen Expertise. Differenzierte Kenntnisse über jugendliche Lebenslagen und das dazugehörende Wissen über Forschungsmethoden gehören damit zur Praxis der Jugendarbeit.
Die Theorie subjektorientierter Jugendarbeit wird verstanden als Grundprinzip unterschiedlicher konzeptioneller Ansätze der Jugendarbeit und als Argumentationsgrundlage für die Anerkennung der Offenen Kinder- und Jugendarbeit als Bildungsort.

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