TheorieForschung

16. Kinder- und Jugendbericht //Förderung demokratischer Bildung im Kindes- und Jugendalter

  • Umfang: 672 Seiten
  • Herausgeber*in: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
  • Graue Literatur / Bericht
  • Berlin, 2020

Abstract

Der 16. Kinder- und Jugendbericht richtet die Aufmerksamkeit auf die Förderung demokratischer Bildung im Kindes- und Jugendalter. Eine Kommission aus 14 Sachverständigen verfolgt im Auftrag der Bundesregierung Deutschland mit dem Bericht die Zielsetzung, „eine fundierte Grundlage“ zu schaffen, „um vorhandene institutionelle Kontexte, Strategien und Konzepte der Demokratiebildung und Demokratieförderung für die Altersgruppe der bis 27-Jährigen zu bilanzieren und bedarfsgerecht weiterentwickeln zu können." (S.41) Der Bericht gliedert sich in drei Teile und 21 Kapitel.

Der erste Teil des Berichts entwickelt eine Zeitdiagnose zur Klärung des Verständnisses demokratischer und politischer Bildung vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen. Dargestellt werden Ambivalenzen der Globalisierung, Klimawandel und Naturzerstörung, die Bewältigung der Pandemie, Flucht und  Migration, Ambivalenzen der Digitalisierung, Folgen des demografischen Wandels, Aufrüstung und Kriegsgefahr sowie ausgewählte Krisen und Herausforderungen der Demokratie. „Aus der Sicht der Sachverständigenkommission für diesen Bericht müssen diese Herausforderungen als gesamtgesellschaftliches Aufgabenportfolio für die heutige junge Generation verstanden werden.“ (S.47)
Das dem Bericht zugrunde liegende Verständnis von politischer Bildung wird im zweiten Kapitel entwickelt.
Aneignung von und Umgang mit politischer Bildung durch die jungen Menschen selbst steht im Mittelpunkt des zweiten inhaltlichen Teils des Berichts. Untersucht werden politische Lern- und Bildungsprozesse in unterschiedlichen sozialen Räumen, und zwar vorwiegend und soweit als möglich aus der Perspektive der Kinder und Jugendlichen.
Fokussiert werden dabei die Räume Familie, Kindertagesbetreuung, Schule, berufliche Bildung, Proteste, soziale Bewegungen und Jugendkulturen, Medien und digitale Welten, Jugendhilfe, parteinahe Jugendbildung, Hochschule, Freiwilligendienste und Bundeswehr.
Im Mittelpunkt des dritten Teils stehen eine Bilanz und sich hieraus ergebende Handlungsempfehlungen, Entwicklungsperspektiven für Wissenschaft und Forschung und konkrete Forderungen, welche sich an die Politik richten.
In Kapitel 10.4. (S.385-415), „Demokratische Bildung in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit sowie in der Aufsuchenden Jugend(sozial)arbeit“, werden zunächst die Potentiale von Demokratiebildung, politischer Bildung und Partizipation in beiden genannten Bereichen dargestellt. Bezüglich der OKJA werden hierbei auch ihre unterschiedlichen Einrichtungsformen und Übergangsräume fokussiert. Diese Potentiale werden im Anschluss durch eine Sekundäranalyse empirischer Studien mit vorliegenden Ergebnissen abgeglichen bezüglich Einrichtungen, Fachkräften, Nutzungsverhalten der Kinder und Jugendlichen und bezüglich Kooperationsverhältnissen.  Inwieweit Kinder und Jugendliche Aneignungsprozesse vollziehen, die als demokratische Bildung wirken können, wird anschließend im Hinblick auf Demokratie in drei Dimensionen, als Struktur, als Gegenstand und als Erfahrung, erörtert.

Aus den Analysen schlussfolgernd werden abschließend (S.411ff.) Konsequenzen für die Gestaltung der Aneignungsprozesse demokratischer Bildung von Kindern und Jugendlichen in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit sowie der Aufsuchenden Jugend(sozial)arbeit formuliert. Empfehlungen werden dabei an die Politik, an die Leitungs- bzw. Träger*innenebene und an Fachkräfte aus der Praxis ausgesprochen. In Kapitel 18 (S. 538ff.), „Raumbezogene Perspektiven und Empfehlungen“, finden sich weitergehende Empfehlungen für alle Praxisbereiche der Jugendarbeit, wobei insgesamt die letzten vier Kapitel (Kap. 18 bis 22) betreffend Perspektiven und Empfehlungen für Praxis politischer Bildung, Wissenschaft und Politik bezüglich den Praxisfeldern und somit auch der Offenen Kinder- und Jugendarbeit in ihrer Verschränkung bedeutsam sind.

Der Stellungnahme der Bundesregierung zum vorliegenden Kinder- und Jugendbericht ist bezüglich der OKJA zu entnehmen: „Mit ihren Ausführungen zur offenen Kinder- und Jugendarbeit zeigt die Kommission zutreffend auf, dass die Politik hier einen Rahmen setzen sollte – vor allem, indem sie durch öffentliche Förderung ermöglicht, dass qualifizierte Fachkräfte aktiv dazu beitragen, dass Kinder und Jugendliche sich in offenen Räumen demokratische Prozesse selbstbestimmt und niedrigschwellig aneignen können; ggf. auch durch aufsuchende Arbeit und mobile Angebote. Die Bundesregierung hat die Förderung der bundeszentralen Strukturen der offenen Kinder- und Jugendarbeit zuletzt deutlich angehoben.“ (S.21f.)

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